Reitbeteiligung 16.10.2017

Den Traum vom eigenen Pferd hegen die meisten Reiter. Jedoch scheitert dieser Traum oft an Zeit- oder Geldmangel. Ein eigenes Pferd bedeutet sehr viel Arbeit und hohe monatliche Fixkosten. In diesem Fall kann eine Reitbeteiligung die passende Lösung sein. 

Aber was ist genau eine Reitbeteiligung? Ist es dasselbe wie ein Pflegepferd? Wie sieht die rechtliche Sachlage aus und was muss ich betreffend Pferdeversicherung beachten?

Von einer Reitbeteiligung spricht man, wenn nebst dem Besitzer des Pferdes eine weitere Person sich um das Pferd kümmert. In der Praxis bedeutet das, dass der Besitzer sein Pferd jemandem zur Verfügung stellt. Diese Person ist dann befugt das Pferd zu reiten, zu longieren, zu pflegen, je nachdem was vereinbart wurde. 

Gründe dafür sind in der Regel Zeit- und /oder Geldmangel des Pferdebesitzers. Die Reitbeteiligung ist jedoch abzugrenzen von einem Schulpferd, welches in einer kommerziellen Reitschule eingesetzt wird. Der Ausdruck Pflegepferd kann dem Begriff der Reitbeteiligung gleichgestellt werden.

Eine Reitbeteiligung scheint also die perfekte Lösung zu sein. Hier ist dennoch etwas vorsichtig geboten, da es doch noch einige Punkte gibt, welche zu Streitigkeiten führen können. Um dies zu vermeiden, sollte man sich zu folgenden Themen bereits im Vorfeld Gedanken machen. 


Versicherung

Es ist immer zu empfehlen eine Versicherung für das „Reiten fremder Pferde“ abzuschliessen. Auch auf Seiten des Pferdebesitzers macht es Sinn zu prüfen, ob in der eigenen Tierhalterhaftpflichtversicherung das Fremdreiterrisiko eingeschlossen ist. 


Mithilfe im Stall oder Kostenbeteiligung

In der Praxis ist es üblich, dass der Reiter den Pferdebesitzer entweder in Form von Arbeit oder Geld entschädigt. Dabei unterscheidet man in der Regel, ob das Pferd in einem Selbstversorgerstall oder in einem Pensionsstall untergebracht ist. In einem Selbstversorgerstall, das heisst in einem Stall wo der Pferdebesitzer selbst für das Ausmisten der Boxen etc. verantwortlich ist, macht es Sinn, dass der Reiter den Pferdebesitzer bei dieser Arbeit unterstützt. Ist das Pferd hingegen in einem Pensionsstall untergebracht, wo diese Arbeiten von Angestellten übernommen werden, ist eine finanzielle Entschädigung an den Pferdebesitzer üblich. Wird ein Pferd „nur“ gepflegt und nicht geritten, ist dies in der Regel kostenlos. Hier ist es jedoch besonders wichtig bereits im Vorfeld zu vereinbaren, dass das Pferd nicht geritten werden kann/darf um Enttäuschungen zu vermeiden.


Trainingsmethoden und Ziele

Bei der Auswahl einer Reitbeteiligung ist sehr wichtig darauf zu achten, dass Reiter und Pferdebesitzer dieselben Trainingsmethoden und – ziele verfolgen. Eine Beschränkung auf die Anzahl Jahre an Reiterfahrung reicht leider nicht aus für eine harmonische Dreierkonstellation. Deshalb ist es besonders wichtig sich bereits am Anfang offen und ehrlich auszutauschen um Streitigkeiten zu vermeiden. Es muss im Detail geklärt werden, was der Reiter mit dem Pferd unternehmen darf und was nicht. Dürfen zum Beispiel Turnier oder Reitkurse mit dem Pferd besucht werden. Darf mit dem Pferd gesprungen werden? Darf alleine ausgeritten werden? Wenn diese Fragen geklärt sind, ist es natürlich auch wichtig zu sehen, ob der Reiter mit dem Pferd harmoniert. Nur so kann eine funktionierende Beziehung aufgebaut werden. 


Tipp für den Alltag

Um den Austausch zwischen Pferdebesitzer und Reiter zu verbessern, empfiehlt es sich ein Trainingstagebuch für das Pferd zu führen. Darin können beide Parteien festhalten, was beim Pferd am jeweiligen Tag auf dem Programm stand. Was, wo und wie lange trainiert wurde, wie gut es gelaufen ist, ob es irgendwelche Auffälligkeiten oder Schwierigkeiten gab, wie lange das Pferd noch auf der Weide war etc. So sind beide Parteien immer auf dem aktuellsten Stand.


Rechtliche Grundlage

Ob die beiden Parteien sich für einen schriftlichen Vertrag entscheiden oder sich auf die mündliche Vereinbarung beschränken spielt bezüglich der Rechtsgültigkeit keine Rolle. Jedoch ist es natürlich schwieriger im Streitfall die mündliche Vereinbarung zu beweisen. Ein schriftlicher Vertrag wäre somit aus rechtlicher Sicht empfehlenswert, wird jedoch in der Praxis eher selten genutzt.


Verantwortung übergeben und übernehmen

Eine der grössten Herausforderungen in dieser Konstellation ist es wohl für den Pferdebesitzer die Verantwortung abzugeben. Besonders wenn der Pferdebesitzer bisher keine Reitbeteiligung für sein Pferd hatte, braucht es etwas Zeit sich daran zu gewöhnen, jemand anderem die Verantwortung für das eigene Pferd zu geben. Damit es funktionieren kann mit einer Reitbeteiligung müssen sich beide Parteien vertrauen können und offen kommunizieren falls etwas nicht den Erwartungen oder Abmachungen entspricht.


Fazit

Wenn all diese Punkte berücksichtigt und besprochen wurden steht einer tollen Partnerschaft nichts mehr im Wege. Für den Pferdebesitzer stellt es eine zeitliche und teilweise finanzielle Entlastung dar, für den Reiter bietet sich eine Möglichkeit nahe an den Traum vom eigenen Pferd zu kommen und für das Pferd bedeutet es ausreichend Betreuung und Bewegung.